Przewalski-Pferd

Gefährdeter Steppennomade

Przewalski-Pferde und ihre bedrohte Existenz

Das Przewalski-Pferd (Equus przewalskii), auch Takhi genannt, ist wohl die einzige Pferdeart, die praktisch in ihrer Wildform überlebt hat, dabei jedoch nur knapp der Ausrottung entging. Einst vorwiegend in den Steppen Zentralasiens heimisch, wurde es durch den Menschen gejagt und verdrängt. Ein Zuchtprogramm in den 1950ern rettete sie. Heute gibt es weltweit rund 2.500 Tiere, von denen etwa die Hälfte in freier Wildbahn lebt. 22 Exemplare haben in Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide ihr Zuhause. Doch die Art bleibt durch Lebensraumverlust, genetische Verarmung und Klimawandel bedroht.

Przewalski-Fakten

20 - 25 Jahre

alt kann ein Przewalski-Pferd in freier Wildbahn werden.

250 - 300 Kilogramm

wiegt ein ausgewachsenes Tier, wobei Hengste schwerer sind als Stuten.

1878

von Nikolai Przewalski entdeckt, der Felle und Schädel zur Bestimmung mit nach St. Petersburg brachte und die Wildpferdart im Westen bekannt machte.

Einzigartig wild

Auffällig sind die aufrechtstehende Mähne, das sog. Milchmaul (oder Mehlnase), die schwarz gebänderten Fesseln und der dunkle Aalstrich, der sich entlang des Rückens erstreckt. Sein hellbraunes bis beigefarbenes Fell bietet eine natürliche Tarnung in den Steppenlandschaften. Zudem ist sein Schwanzansatz höher als bei domestizierten Pferden, was ihm eine charakteristische Silhouette verleiht.

© Ingolf König
© International Thaki Group

Ursprünglicher Steppenbewohner

Die ursprüngliche Heimat des Przewalskipferdes liegt in den weiten Steppen Zentralasiens. Diese Landschaft zeichnet sich durch offene Grasflächen, Halbwüsten und saisonale Wasserstellen aus. Die Pferde lebten vor allem in Regionen mit spärlichem Baumbewuchs, die ihnen Schutz vor Fressfeinden boten. Besonders die Mongolei, Kasachstan und Teile Chinas gehörten zu ihrem Verbreitungsgebiet.

 

Am Rand der Ausrottung

Das Przewalskipferd wurde im 19. und 20. Jahrhundert intensiv gejagt, was seine Bestände stark dezimierte. Zusätzlich führte die zunehmende Umwandlung von Steppen in landwirtschaftlich genutzte Flächen zu einem drastischen Verlust seines Lebensraums. Auch die Hybridisierung mit Hauspferden stellte eine Gefahr dar, da sie die genetische Reinheit der Art bedrohte. Der Klimawandel verschärft die Situation zusätzlich, indem er die Vegetation in den Steppen verändert. Wie sich das auf die Lebensgrundlage der Tiere auswirkt, ist zu beobachten.

Ein neuer Anfang

Die Rückkehr der letzten Wildpferde

Mit 12 Przewalsi-Pferden, die in Zoos und Tiergärten überlebt hatten, wurde ab Ende der 1950er Jahre ein Zuchtprogramm aufgelegt, dass sich darauf fokussierte, diese verbleibenden Tiere zu stabilisieren und eine gesunde Population aufzubauen, um das Überleben der Art zu sichern. In den 1980er Jahren, als die Bestände stabil genug waren, entstand die Idee, die Przewalski-Pferde wieder in ihre angestammte Heimat zu bringen, um sie dort auszuwildern und damit die Art in der Wildnis langfristig wieder anzusiedeln.

Allein in der Mongolei wurden in drei Nationalparks wieder etwa 300 Przewalski-Pferde ausgewildert.. Die Population ist genetisch eng. Krankheiten, Weidekonkurrenz und vor allem das raue Klima mit Temperaturen bis zu - 40°C sorgen allerdings immer wieder für Rückschläge.

Nur unter den Bedingungen in der freien Natur bleibt der Wildtiercharakter der Przewalskis langfristig erhalten. Darum ist es dringend erforderlich, Przewalskis aus Zoos und anderen Schutzprogrammen wieder auszuwildern, da sonst langfristig deren wichtige Eigenschaften (z.B. ihre sehr gute Anpassung an klimatische Verhältnisse) drohen verlorenzugehen. In mehreren Initiativen bemüht man sich deshalb, die Tiere wieder in ihrem angestammten Lebensraum heimisch zu machen – so auch seit 2012 mit insgesamt vier Stuten aus der Zucht der Heinz Sielmann Stiftung. Erfreulicherweise haben alle vier überführten Stuten nach ihrer Auswilderung Fohlen in freier Wildbahn geboren und damit zum Bestandserhalt der mongolischen Population beigetragen. Weltweit ist die Zahl der Przewalski-Pferde mittlerweile wieder auf rund 2.500 Tiere angewachsen. 22 von ihnen leben in Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide, unweit von Berlin.

 

Wie Przewalski-Pferde die Steppe beleben

Przewalski-Pferde zählen zu den großen Pflanzenfressern und spielen eine wichtige Rolle in ihrer Umgebung. Durch ihren Verbiss fördern sie das Wachstum seltener Pflanzen, die spezialisierten Tieren als Lebensraum dienen. Ihre Vorliebe für Sandbäder schafft offene Bodenstellen, die zu Rückzugsorten für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten werden. Zudem tragen sie durch ihr Umherziehen, Grasen und Ruhen dazu bei, die Landschaft offen zu halten.

Über ihren Dung verbreiten sie die Samen heimischer Pflanzenarten, während die zahlreichen Insektenlarven, die im Kot heranwachsen, wiederum seltenen Vogelarten als Nahrung dienen. Dass die Hinterlassenschaften frei von Medikamenten und Chemikalien alle Art sind, wirkt sich positiv auf viele Organismen aus, die auf Dung angewiesen sind. Daneben finden sich am Dung auch zahlreiche seltene Pilzarten. Auf diese Weise fördern Przewalski-Pferde die Biodiversität und erhalten wertvolle Lebensräume. Sie sind somit eine wichtige Schlüsselart im Ökosystem.

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